Studie: Fast 4 mal mehr Infektionen als bekannt

Keine neuen Infektionsherde in Kupferzell festgestellt

RKI stellt erste Eckdaten der Studie Corona-Monitoring lokal für Kupferzell vor

Mit Spannung wurden sie erwartet – die ersten Ergebnisse aus der Studie „Corona Monitoring lokal“, die die Verbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung an besonders betroffenen Orten Deutschland untersucht. Am heutigen Freitag, 14.08.2020, stellte das Robert Koch-Institut (RKI) nun die ersten Eckdaten aus der Studie für die Gemeinde Kupferzell vor.

Prof. Dr. Lars Schaade, Vizepräsident des RKI und Dr. Claudia Santos-Hövener, Leiterin der Studie, sprachen zunächst ihren Dank an alle Beteiligten der Studie in Kupferzell aus. „2.203 Männer und Frauen ab 18 Jahren sind unserer Einladung gefolgt – ein tolles Ergebnis.“ Besonders aus zeitlicher Sicht stand das RKI vor einer großen Herausforderung. „Normalerweise haben wir eine längere Vorlaufzeit für die Durchführung einer solchen Studie“, so Santos-Hövener. Ursprünglich hatte das RKI auf eine Veröffentlichung noch im Juli gehofft. Grund für die Verzögerung waren nach Angaben des RKI ausstehende virologische Tests, die für wissenschaftlich eindeutige Ergebnisse wichtig sind. „Unser Ziel war natürlich, schnellstmöglich erste valide Ergebnisse aus der Studie zu präsentieren“, erklärt Santos-Hövener. „Die Auswertung des umfangreichen Fragebogens läuft derzeit ebenfalls auf Hochtouren“.

„Die in Kupferzell durchgeführte Studie bringt erste wertvolle Erkenntnis über das SARS-CoV-2 Infektionsgeschehen und die Entwicklung der Immunität in der baden-württembergischen Bevölkerung. Die Kupferzeller Bürgerinnen und Bürger haben hier einen wichtigen Beitrag geleistet“, sagte Stefan Brockmann, Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

„Besonders spannend wird für mich der weitere Teil der Studie – die Auswertung der beiden Fragebögen, die die Teilnehmer ausgefüllt haben. Es ist aktuell noch zu früh, eine abschließende Bewertung der Ergebnisse zu treffen“, so Landrat Dr. Matthias Neth, der aber trotzdem aus den ersten vorgestellten Eckdaten bereits Schlüsse zieht. „Wir hatten in Kupferzell keine weiteren versteckten Infektionsherde. Die Infektionskette, die zum damals hohen Anstieg an Fällen geführt hat, konnten wir erfolgreich durchbrechen, die Maßnahmen haben gewirkt.“ Der erste Fall in Kupferzell wurde am 08.03.2020 gemeldet. Zu Beginn der Hochphase zum 19.03. waren für die Gemeinde Kupferzell bereits 80 Infektionen gemeldet. Dies stieg bis zu Beginn der Studie zum 19.05. auf 111 gemeldete Fälle an. Bis zum 13.08. kamen nur noch wenige Neuinfizierungen hinzu, so liegt die Gesamtzahl der Infizierten in Kupferzell derzeit bei 117.

„Bereits Ende Juli hatten die Teilnehmenden ihre Ergebnisse vom RKI erhalten, und wir haben hier schon gemerkt, dass bei vielen Personen Antikörper nachgewiesen werden konnten, obwohl diese keine Symptome hatten. Umso spannender ist jetzt natürlich, das Gesamtbild zu sehen und auch die Erkenntnis, dass wir hier in Kupferzell rund 3,9mal mehr Infektionen hatten, als uns offiziell bekannt waren“, so Bürgermeister Christoph Spieles über die Dunkelziffer, die für die Gemeinde Kupferzell festgestellt wurde. „Das zeigt mir, dass immer noch Vorsicht geboten ist und die Abstands- und Hygienemaßnahmen weiterhin Bestand haben und angewendet werden müssen.“

Weitere Informationen zur Studie sind in Kürze auf dem YouTube-Kanal des Landratsamtes Hohenlohekreis sowie hier eingestellt.

Hintergrundinformationen zur Studie

Für die Studie wurden vier besonders stark von der Pandemie betroffene Gemeinden als Studienorte ausgewählt. In Kupferzell im Hohenlohekreis und in Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim ist die Untersuchung vor Ort bereits abgeschlossen. Für Bad Feilnbach werden die Ergebnisse Ende August erwartet. Als nächster Studienort werden ab 08.09.2020 die Untersuchungszentren in Straubing in Niederbayern eingerichtet.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Corona-Monitoring lokal: Erste Eckdaten für Kupferzell Ergebnisse

  • •7,7 Prozentder Kupferzellerinnen und Kupferzeller hatten positive Antikörper-Nachweise gegen SARS-CoV-2 und haben demnach die Infektion durchgemacht.
  • •Im Verlauf der Studie wurden in Kupferzell keine akuten Infektionen festgestellt.
  • •Bei Frauen (8,7 Prozent) wurden etwas häufiger als bei Männern (6,7 Prozent)Antikörper nachgewiesen.
  • •Asymptomatische Fälle:16,8 Prozentder Seropositiven (Personen mit positivemAntikörper-Nachweis) waren ohne typische Krankheitssymptome, 83,2 Prozent hattenmindestens eins der Symptome(Fieber über 38° C, Atemnot / Kurzatmigkeit,Lungenentzündung, Schnupfen, Husten, Schmerzen beim Atmen, Halsschmerzen,Geruchs-/ Geschmacksstörung).
  • •Dunkelziffer: Durch die Studie wurden 3,9-mal mehr Infektionen nachgewiesen als bislang in Kupferzell bekannt.
  • •Antikörper: Bei 28,2 Prozentder Erwachsenen mit positiven SARS-CoV-2-Test(Eigenangaben im Fragebogen) konnten keine Antikörper nachgewiesen werden; diesbedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Immunität besteht.
  • MethodikDatenerhebung: 20. Mai bis 9. Juni 2020
  • Teilnehmende: 2.203 Erwachsene
  • Stichprobe: repräsentative Zufallsstichprobe aus dem Einwohnermelderegister, Einladung von Erwachsenen freiwillige TeilnahmeUntersuchungsprogramm
  • •PCR-Rachenabstrich zum Nachweis von Virus-RNA und einer akuten Infektion
  • •Entnahme von Blutprobenfür serologische Untersuchungen und den Nachweisvon IgG-Antikörpern
  • •Befragungen: Kurzbefragung am Untersuchungstag, ausführliche Nachbefragung(online oder telefonisch)
  • Weitere Informationen + Studienprotokoll: Journal of Health Monitoring S5/2020 http://www.rki.de/johmInternet: http://www.rki.de/corona-monitoring-lokal
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